Lexus GS F im Test

Lexus GS F
Motor und Kraftübertragung:
Bauart (Zylinderzahl/Ventile): V8/32 DOHC mit Dual VVT
Hubraum: 4969 ccm
Leistung: 477 PS (351 kW) bei 7100 U/min
max. Drehmoment: 530 Nm bei 4800 - 5600 U/min
Antriebsart: Hinterrad mit Torque Vectoring Differenzial
Getriebe: 8 Gang Automatik - Direktschaltgetriebe SPDS
Fahrleistungen:
Beschleunigung (0-100km/h): 4,6s
Höchstgeschwindigkeit: 270 km/h - max. Dauergeschwindigkeit: 240 km/h
Bereifung/Bremsen: 19 Zoll, vorne 255/35 ZR19 - hinten 275/35 ZR19  / innenbelüfte Brembo Scheibenbremsen Vorne 380/34 und Hinten 345/28 - orange lackiert
Verbrauch: (l/100 km ECE) 11,2l  - Tankvolumen: 66l
CO2 Ausstoß: 260g/km - Euro 6
Preis Testwagen: ca.100.000,- Euro

 

Lexus GS F

Gilt doch Toyotas Edeltochter Lexus als Inbegriff der ökologisch korrekten Vollhybride, die trotz aller E-Mobilität immer noch die beste Ökobilanz aller Hersteller haben, kann Lexus auch ganz anders. Angedeutet hat Lexus dieses bereits vor einigen Jahren mit dem Supersportler LFA, der in kleiner Stückzahl zu Preisen von etwa 375.000,- € zu haben war. Heute wird der 4,8l V10 Zylinder, 560 PS starke LFA nicht unter 1.000.000,- € gehandelt. Aus diesem Aggregat und der Erfahrung hat Lexus einen 5.0l V8 Saugmotor entwickelt der mit einer Menge an Rennsporterfahrung und Technik in die Serie Einzug gehalten hat. Wo andere Sportwagen zum Downsizing greifen (kleinere Motoren mit Turbo und Bi-Turbo Aufladung) hält Lexus die Fahne der Hubraumstarken Saugmotoren hoch. Man kenn ja den Spruch: "Hubraum ist durch nichts zu ersetzen - außer mit noch mehr Hubraum. Und voila - Da ist der V8 5.0l 477PS starke Motor für Lexus Sportmodelle. Der RC F als Coupé, der LC 500 als GT Sportler, und die Hochleistungslimousine Lexus GS F um die es hier geht.

Schon optisch ist auf dem ersten Blick zu erkennen, dass es sich bei diesem Fahrzeug um etwas Besonderes handelt. Der riesige Kühlergrill in Diabolo Design, die seitlichen Lüftungskiemen an den Kotflügeln, die orange lackierten Bremssättel der wuchtigen Brembo Bremsanlage und nicht zu Letzt die 4 flammige Auspuffanlage am Heck unter der sich noch ein Diffuser zeigt um den nötigen Ansaugdruck auf der Straße zu erzeugen. In dieser Liga darf man zeigen was man hat. Und trotzdem ist der Lexus GS F im Vergleich mit vielen Klassenkollegen eher dezent und verzichtet weitestgehend auf Spoilerwerk und andere Machoattitüden.

Lexus GS F - Ausstattung

Der Lexus GS F ist selbstverständlich mit allen Elementen an Komfortelementen und Fahrassistenzsystemen zur Bedienung dieses Boliden ausgestattet. Lediglich eine Massagefunktion in den Sitzen fehlt. Aber das geht wohl auch nicht bei den überaus bequemen und excellenten Seitenhalt gebenden Sportsitzen. Diese sind straff, mit edelsten Leder bezogen und beheizbar. Der gesamte Innenraum sieht nicht nur hochwertig aus - er ist es auch. Das Infotainmentsystem mit Navigation, Regelung der Klimaautomatik usw. wird Lexus typisch über einen in der Mittelkonsole flachen Joystick bedient und ist für den Audiobereich mit einem High-End-System von Mark Levinson gekoppelt der den Lexus GS F auf Wunsch in einen Konzertsaal verwandelt. Easy Entry Funktion des Fahrersitzes (das Lenkrad und der Sitz fahren zum leichteren Einstieg zurück) Keyless Entry usw. Und alles in überragender Verarbeitungsqualität wie auch die gesamte Karosserie - ja das gesamte Fahrzeug eine überragende Qualität bietet. Lediglich das Navigationssystem mit dem oberhalb der Mittelkonsole verbauten großen TFT Displays ist etwas von der Optik und Auflösung in die Jahre gekommen, was Lexus mit Sicherheit bereits auf dem Schirm hat. Auf den nötigen Luxus muss man also auch in diesem Hochleistungs Lexus nicht verzichten und kann somit auch Freunde finden, die auch die Familie einladen wollen. Aber was wirklich interessiert ist wie sich der GS F auf der Strasse macht - dazu jetzt.

Wie fährt der Lexus GS F ?

Selbstverständlich wird der Lexus GS F über einen Start/Stop Knopf ins Leben geholt. Und sobald man dieses getan hat wird man von einem dumpfen grollen eines 5 Liter V8 Aggregats begrüßt. Bevor man den Wahlhebel bedient sollte man sich im klaren sein, dass das eben vernommene Geräusch zu Respekt aufruft, den man auch haben sollte, wenn man die 477 PS nicht sofort ins Abseits befördern möchte. Andererseits zaubert es auch auf Anhieb ein breites Grinsen ins Gesicht. Die Fahrmodi umfassen ECO, Normal, Sport S und Sport S+. Los geht es im Normalmodus was für die Stadt auch die richtige Wahl sein sollte. Bereits jetzt wird jeder Gasbefehl in vehementen Vortrieb umgesetzt. In der Mitte der Armaturentafel prankt ein großer Drehzahlmesser der erst im Bereich von 7100 U/min seinen roten Bereich erreicht - das verspricht einiges - rechts daneben, etwas weiter unten ist ein kleiner Tacho positioniert der bis 340km/h reicht. Im Normalmodus ist das Fahrwerk noch recht komfortabel. Der Lexus GS F folgt absolut treu und genau den Lenkbefehlen auch wenn man es zügig bis sehr zügig angeht. Die Gänge des 8 Gang Direktschaltgetriebe SPDS schalten weich und sorgen für eine gleichmäßige Beschleunigung. Man kann den Lexus GS F auch manuell über die Schaltwippen am Lenkrad, die den Lenkeinschlag mitgehen, schalten, was den Fahrspaß nochmals erhöhen kann. Schnell auf die Landstrasse und Autobahn und den Modus Sport S+ eingelegt. Dieses ist sofort spürbar. Die Gänge drehen höher und das Zurückschalten erfolgt ebenfalls bei höheren Drehzahlen. Beim starken anbremsen von Kurven schaltet das Getriebe mit deutlicher akustischer Rückmeldung soweit runter (das können auch mal 2 Gänge sein) um bei Kurvenausgang wieder die optimale und schnellst mögliche Beschleunigung zu bekommen. Die 100 km/h sind in 4,7 Sek. erreicht und der Vortrieb presst den Fahrer dann auch weiter, bis zum erreichen der abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 270 km/h energisch in den Sitz. Lexus empfiehlt eine Dauerhöchstgeschwindigkeit von max. 240 km/h.

Der Lexus GS F

Allles an und im Lexus ist für diese Höchstleistung optimiert. Das Fahrwerk an der Vorderachse mit Doppelquerlenker und einer Mehrlenker Hinterachse. Das Torque Vectoring Differential (TVD) verbessert die fahrdynamischen Qualitäten, indem es die Antriebsmomente an der Hinterachse gezielt verteilt und auf diese Weise das Kurvenverhalten des GS F optimiert. Die präzise Verteilung der Antriebsmomente zwischen dem rechten und linken Hinterrad erfolgt in Abhängigkeit von Gaspedalstellung, Bremsbetätigung, Gierrate, Längs- und Querbeschleunigung sowie weiteren relevanten Parametern unabhängig vom jeweiligen Motordrehmoment. Das Torque Vectoring Differential erlaubt es dem Fahrer daher, sich ganz auf den Streckenverlauf zu konzentrieren und das fahrdynamische Potenzial des hinterradgetriebenen GS F intensiv zu nutzen. Heißt nichts anderes als das es selbst im Slalomkurs echt schnell geht. Der Lexus GS F macht einfach höllisch Spaß. Die Brembo Hochleistungs Bremsen verzögern den GS F derart brachial, dass selbst ein ungewolltet Bremsmanöver aus jenseits der 200 km/h fast Spaß macht. Dazu kommt, dass im Innenraum des Lexus GS F eine derart sportliche Geräuschkulisse herscht, dass es Begleitpersonen oftmals Angst und Bange wird. Rennsport pur. Lexus erklärt dieses wie folgt: Um auch ein akustisches Fahrerlebnis zu bieten, haben die Lexus Ingenieure dem GS F eine Adaptive Sound Control (ASC) spendiert. Das System reichert die Ansauggeräusche sowie den Motor- und Auspuffsound im Innenraum je nach Gaspedalstellung und Antriebs-Modus zusätzlich an, wobei die elektronisch aufbereitete Unterstützung über die Front- und Hecklautsprecher erfolgt. Dabei übertragen die vorderen Lautsprecher mit steigender Drehzahl höhere Töne, die die Ansauggeräusche und den Motorsound unterstützen. Gleichzeitig liefern die hinteren Lautsprecher dunklere Töne, die den sonoren Auspuffklang in den Innenraum bringen. Gerade wenn sich die Motordrehzahl abrupt ändert – etwa beim sportlichen Hoch- und Zurückschalten – reagiert ASC spontan und steigert das sportliche Sounderlebnis

Der Lexus GS F

Nicht zu vergessen ist, dass der Lexus GS F fast 2 Tonnen wiegt und mit knapp 5m Länge und mit einer Breite von gut 2m inkl. Seitenspiegeln, alles andere als ein Kompaktsportler ist. 5 Personen finden im GS F bequem Platz und der Kofferraum ist mit 520l ebenfalls respektabel groß und kann Einiges an Gepäck schlucken. Die hohe Verdichtung des Motors sorgt für die vorhandene Leistung für einen moderaten Verbrauch. Dieser lag im Testzeitraum bei exakt den Herstellerangaben von 11,2 l/100km. Natürlich geht dieser, wenn man die Kuh mal richtig fliegen lässt, auch mal auf gute 16 - 18 Liter rauf, aber die Verkehrsdichte lässt Dieses nur allzu selten zu. Wer den GS F im Schongang und ECO Modus bewegt kann es sogar auf unter 8 Liter schaffen aber das macht keinen Spaß und der GS F ist dafür auch nicht gebaut.

Fazit zum Test Lexus GS F

Der Lexus GS F ist einer dieser Boliden von denen Otto Normalverbraucher (auch ich) nur träumen kann. Power im Überfluss, ökologisch völlig unvernüftig und ja - manche sagen völlig überholt und nicht mehr Zeitgemäß (nicht der Wagen selber oder seine Technik), aber er macht einfach jede Menge Spaß. Man kann es mit dem Lexus GS F richtig krachen lassen und bekommt, sollte man das nötige Bankkonto haben (ab 100.000,-€), eine ganz besondere Hochleistungslimousine jenseits des Mainstreams von AMG, Audi RS oder BMW M Sport, die nicht nur in Bezug der Fahrleistungen locker mithalten kann sondern auch dem Besitzer die Gewissheit gibt ein Auto zu fahren, dass nicht an jeder Ecke steht. Bedenkt man die absolute Topqualität, dass Verwenden von edelsten Materialien und die sehr lange Liste der Ausstattung ist der GS F im Vergleich dazu sogar fast ein Schnäppchen.

Dirk W. Dürhager

Der Lexus GS F